/* Google Analytics Beginn */ /* Google Analytics Ende */
Ruhrgebiet-Suche

Stollenbau und Ruhrschiffahrt

Stollenbau und Ruhrschiffahrt

Gehst du an der Kosterbrücke von der Henkenbergstraße ab, und nimmst den Weg durch die Ruhrwiesen an den Fluß, dann kommst du auf einen Pfad, der mit dicken Steinen bepflastert ist und am Ufer der Ruhr entlangführt. Am Rande steht ein Schild "Betreten des Leinpfades auf eigene Gefahr!" Du weißt sicher nicht, was ein Leinpfad ist. Hör zu, er soll dir seine Geschichte selbst erzählen.

Ich bin fast 300 Jahre alt und wurde gebaut für Pferde. Das kannst du nicht glauben, sagst du? - Das war nämlich damals so: Einige Jahre vor meiner Geburt hatten die Menschen die Kohle entdeckt. Die Bauernsöhne hackten sie in ihrer freien Zeit los. Zuerst wurde nur wenig gebraucht, die meisten Leute feuerten noch mit Holz. Aber bald merkten sie, daß die Kohle eine viel größere Hitze gibt und bedeutend sparsamer ist. Vor allem die Schmiede und die Männer, die das Eisen schmolzen, wollten nur noch mit den schwarzen Steinen arbeiten.  So viel aber konnten die Bauernjungen nicht liefern. Deshalb schickte König Friedrich der Große richtige Bergleute aus Schlesien an die Ruhr, die die Kohle fachmännisch abbauten. Sie trieben Stollen in die Bergabhänge und stützten sie mit Stempeln ab. Die Gänge stiegen in den Bergen leicht an, damit das Wasser ablaufen konnte. "Vor Ort" arbeiteten die Bergleute mit Schippe und Hacke, schleppten die Kohle mit Schlitten an die Stolleneingänge und kippten sie dort aus. Mit Fuhrwerken wurde die Förderung fortgeschafft. Aber dieses Fortschaffen war nicht so einfach. Stell dir die schlechten Straßen vor, besonders im Herbst und im Frühjahr, wenn es tagelang geregnet hatte!

Oft blieben die Wagen im Schlamm stecken. Dann mußte die Kohle in Säcke geladen und den Pferden auf die Rücken gepackt werden. Die armen Tiere hatten viel zu leiden. Schließlich kam jemanden der Gedanke, die Kohle auf der Ruhr zu verschiffen. Bald schwammen die ersten Frachtkähne flußabwärts dem Rheine zu. Ruhraufwärts jedoch mußten die Schiffe von schweren Ackergäulen gezogen werden. Aber in den sumpfigen Uferstrecken sanken die Tiere bis an die Knie ein. Da wurde ich gebaut, damit die Pferde ordentlich laufen konnten. Wie habe ich die Tiere oft bedauert, wenn sie die Kähne an starken Leinen hinter sich her schleppten!

Verstehst du jetzt, warum ich "Leinpfad" heiße?

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/

Share and Enjoy:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks

Leave a Reply

Ruhrpott-Suche