Räuber in der Bochumer Gegend
Räuber in der Bochumer Gegend
Vor dem Rathaus am Markt hält ein Postillon, Stabbedeckt ist sein Rock, und seinem Pferde steht der Schaum vor dem Maule. Er hat einen weiten Weg hinter sich, er kommt von Köln und muß Eilbriefe und Geld nach Soest befördern. Nur eine kurze Ruhepause und einen Trunk Wasser gönnt er seinem Tier. Sogleich muß er wieder reiten, denn die Sonne versteckt sich schon hinter den Bergen.
Matt beleuchtet der Mond den Hellweg. Nur den Hufschlag seines Pferdes hört der Postillon, sonst keinen Laut in der stillen Nacht.
"Halt!" schreit ihn da plötzlich eine Stimme an. Zwei Männer springen aus einem Gebüsch, reißen ihn vom Pferde, ein schwerer Schlag trifft ihn an den Kopf. Sie nehmen ihm die Tasche und das Pferd ab und sind im Nu in der Dunkelheit verschwunden. Am anderen Morgen findet ein Bauer den besinnungslosen Postillon am Wegesrand.
"Räuber sind in unserer Gegend, Räuber, Straßendiebe!" geht es von Mund zu Mund. Und ehe es der letzte Bochumer gewahr geworden ist, beratschlagen die Räuber einen neuen Überfall. "Heute Abend plündern wir den Hof von Frielinghaus!" sagt Heinrich Plettenberg zu seiner Bande. Sein Bruder Stiel und er sind die Anführer.
Bald reißen die Nachrichten über die Untaten nicht mehr ab. Es waren sogar schon einige Leute totgeschlagen worden. Die Stadtväter wußten sich keinen Rat. Die Bauern der einsam liegenden Gehöfte konnten des Nachts vor Angst nicht mehr schlafen; denn bald plünderten die Räuber hier, bald dort.
In seiner Not schrieb der Bürgermeister an den König und bat ihn um Hilfe. Der schickte einen tüchtigen Polizeibeamten und eine Kompanie Feldjäger. Die Soldaten suchten die ganze Gegend ab und erwischten 58 Räuber und die beiden Anführer. Sie wurden mit eisernen Ketten aneinandergefesselt und nach Rußland gebracht.

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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