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Opel - Ein neues Werk in unserer Stadt

Opel - Ein neues Werk in unserer Stadt

"Hallo, Werner! Wie geht’s? Junge, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?"

"Seit etwa vor zwei Jahren die Zeche stillgelegt wurde und wir unseren Arbeitsplatz verloren."

"Bist du jetzt auf einer anderen Schachtanlage beschäftigt?"

"Nein, ich bin bei Opel angefangen."

"Dann stehst du also am Fließband. Es muss ja schrecklich langweilig sein, immer dasselbe tun zu müssen. Da bleib’ ich doch lieber beim Pütt!"

"So reden alle, die keine Ahnung davon haben! Komm doch ‘mal und guck dir den Betrieb an!"

"Dazu habe ich keine Zeit. Aber ich mache dir einen Vorschlag: Auf unser Wiedersehen trinken wir ein Bier, und dabei erzählst du mir, wie es bei Opel aussieht und zugeht."

Und da saßen die beiden früheren Arbeitskameraden bei Mutter Schulte in einer gemütlichen Ecke, und Ewald hörte seinem Freund gespannt zu.

"Du weißt ja, daß wir zwei Opel-Werke hier haben. Das Werk I in Laer liegt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dannenbaum. Wenn du mit der Linie 10 oder 20 in Richtung Witten oder Langendreer fährst, kommst du daran vorbei. Das Werk II steht in Langendreer gleich links hinter dem Bahnhof an der Strecke nach Dortmund. Beide sind durch eine Werksbahn miteinander verbunden. In Langendreer werden die Motoren, Getriebe und Achsen für den "Kadett" gebaut, das Werk Dannenbaum stellt die Karosserien her und setzt die Wagen zusammen. Jeden Tag verlassen 1000 Autos den Prüfstand."

"Donnerwetter! Das ist eine riesige Menge, da müsst ihr sicher schwer schuften. Und ungesund wird die Arbeit auch sein in dem Öl- und Benzindunst."

"Da hast du eine ganz falsche Vorstellung! Die Anlagen gehören zu den modernsten der Welt. Die Hallen sind hell und sauber. Mit Öl und Benzin haben wir nichts zu tun, Papier und Putzlappen findest du nirgends. Die Wagen werden von elektrischen Montagebändern an den Arbeitsplätzen vorbeigeführt, und Förderbänder bringen uns die einzelnen Teile, die wir einbauen. Dadurch hat jeder von uns seinen festen Platz, niemand braucht umherzurennen oder nach Werkzeug und Material zu rufen. Deshalb hört man auch keinen besonderen Lärm in den Hallen, außer bei den Pressen, die die Karosserieteile formen. Von körperlich schwerer Arbeit kann man nicht reden, die nehmen uns die Maschinen ab. Aber genau und sicher muss jeder Handgriff sein; und langweilig ist es auch nicht, im Gegenteil, ich muss gut aufpassen, daß ich zur rechten Zeit das Richtige tue. Das Fließband verlangt hohe Aufmerksamkeit."

"Sind eure Förderbänder auch so lang wie in der Grube?"

"Die Länge der Bänder beider Werke beträgt 42 Kilometer. Das entspricht der Strecke von Bochum zum Duisburger Hafen."

"Und das geht alles elektrisch?"

"Ja! Deshalb brauchst du dich auch nicht zu wundern, daß das Opel-Werk so viel Strom benötigt wie die ganze Stadt Bochum. Für den Bedarf an Kohlen könnte das Werk eine kleinere Zeche ganz für sich allein arbeiten lassen. Daß wir einen eigenen Verladebahnhof haben, versteht sich von selbst. Für die 14 000 Beschäftigten, von denen die meisten die öffentlichen Verkehrsmittel für den Weg zum Arbeitsplatz und zurück benutzen, wurde extra ein kleiner Straßenbahn- und Busbahnhof am Eingang des Werkes angelegt."

"Dann bilden die beiden Werke sozusagen eine Stadt für sich innerhalb unserer Großstadt."

"Das wird noch deutlicher werden, wenn die Autofabrik - wie geplant - für 20 000 Menschen Arbeitsplätze bietet."

"Nun hast du mir so viel erzählt, daß ich mir den Betrieb doch einmal anschauen möchte."

"Komm nur! Jeden Morgen sind Führungen durch das Werk; da kannst du dich einer Gruppe anschließen!"

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/

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