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Archive for the ‘Bochum’ Category

Der Riese auf dem Tippelsberge

Dienstag, August 18th, 2009

Der Riese auf dem Tippelsberge

1.   Auf dem Tippelsberge lebte einst ein Riese. Er hatte einen Freund, der auf dem Stimmelsberge in Haltern wohnte. Ein Backtrog benutzten sie gemeinschaftlich und backten zusammen in einem Ofen. Wenn es Zeit zum Backen war, gaben sie sich ein Zeichen durch Schrappen an dem Troge. Einmal kratzte sich der Tippelsberger im Schlafe. Der andere hörte es und meinte, es sei das verabredete Zeichen. Schnell machte er sich auf den Weg, fand aber seinen Freund noch tief im Schalfe.

2.   Nicht immer war der Riese Tippelus, so soll des Tippelberger Name lauten, bei guter Laune. Oft hatte er Streit mit anderen und konnte dann fürchterlich wütend werden. Bei einem solchen Kampf stürmte der Gegner heran und wollte Tippelus überfallen. Diesen packte die Wut, er suchte nach an einem Steine um den Gegner zu zerschmettern. Wirklich fand er einen großen Findling und schleuderte ihn mit solcher Wucht, daß der gewaltige Stein bis Ückendorf flog. Da liegt er noch heute vor dem Amtshause. Das Volk aber nennt ihn "den grauten Kieseling von dem Kiärl op’n Tippelsberg".

Aus Bolle, am Maarbach und Ölbach
 

Die weißen Jungfrauen zu Rechen

Dienstag, August 18th, 2009

Die weißen Jungfrauen zu Rechen

In alten Zeiten gehörte zum Hause Rechen noch ein hoher und fester Turm. Er stand an der Stelle, wo heute der Toreingang ist. Und wenn man auch heute am Tage nichts besonderes an ihm bemerkt, so wurde er in der Dunkelheit um so geheimnisvoller. Man hörte sonderbare Stimmen und konnte doch niemand sehen.

Haus Rechen

In der Geisterstunde aber kamen zwei weiße Jungfrauen, der Volksmund nennt sie "Witte Juffern", aus dem Turm heraus. Sie wandelten über den Hof und über den Weg, und niemand getraute sich, um diese Stunde an dem Turm vorbeizugehen.

Doch kam es manchmal vor, daß Uneingeweihte den verrufenen Weg gingen. Aber selten ist einer noch in derselben Nacht nach Hause gekommen. Denn die weißen Jungfrauen eilten herbei, faßten den ahnungslosen bei den Armen und führten ihn in die Irre. Kreuz und quer ging es durch Wald und Wiese und sogar in die Felder hinein. Plötzlich verschwanden sie. Der Verirrte aber konnte den Heimweg nicht wiederfinden, bis der Morgen graute.

Aus Bolle, am Maarbach und Ölbach
 

 

Das goldene Spinnrad auf dem Isenberg

Dienstag, August 18th, 2009

Das goldene Spinnrad auf dem Isenberg

In dem Streit mit dem Erzbischof von Köln fand der Graf von der Mark Hilfe bei seinem Vetter Friedrich von Isenburg.

Als an einem trüben Novemberabend Erzbischof Engelbert von einer Versammlung in Soest heimritt, lauerte ihm Friedrich von Isenburg mit seinen Reitern in einem Hohlweg auf und überfiel und ermordete ihn. Für diese Tat verurteilte der Kaiser den Grafen Friedrich zum Tode und ließ seine Burg auf dem Isenberg schleifen.

Die Gräfin aber und ihre Kinder konnten die Burg unbehelligt verlassen, doch durften sie außer ihren Kleidern nichts von ihren Sachen mitnehmen. Darunter war auch ein kostbares goldenes Spinnrad, das der Graf seiner Frau zur Hochzeit geschenkt hatte. Das wollte die Gräfin nicht den Soldaten in die Hände fallen lassen, sondern warf es in den tiefen Burgbrunnen. Wenn Du einmal zum Isenberg wanderst und in den Brunnen horchst, dann kannst Du drunten das Spinnrad noch surren hören.

Aus den Steinen der Isenburg ließ Graf Adolf von der Mark den Bergfried der Burg Blankenstein bauen.

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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Die Wittewiwerkule

Dienstag, August 18th, 2009

Die Wittewiwerkule

Am Tippelsberg bei Riemke liegt eine etwa zwanzig Fuß hinabgehende Tiefung, in der ein schöner, klarer Quell entspringt. Man nennt sie die "Wittewiwerkule" und erzählt, daß hier vorzeiten die "witten Wiwer" gewohnt haben, die sich auch zuweilen haben sehen lassen.

Vor langen Jahren wohnte auf einem Hofe zu Riemke ein Bauer, dessen Frau abends am Feuer saß. Da traten plötzlich zwei witte Wiwer herein und entführten sie mit sich in ihre Höhle. Hier verboten sie ihr, jemals aus der Tür zu sehen; denn sonst würden sie ihr den Hals brechen. Das hat sie auch sieben Jahre hindurch geduldig ertragen, aber endlich hat sie doch, als die witten Wiwer abwesend waren, ihr Verlangen nicht länger zähmen können und die Tür aufgetan. Und wie sie da hinaustrat, hörte sie auf einmal die Bochumer Glocken läuten und hat an dem wohlbekannten Klange sogleich gewußt, wo sie war, und so ist sie dann hinabgeeilt nach Riemke zum Hofe ihres Mannes. Der hatte aber indessen, da er seine Frau tot geglaubt, bereits eine andere gefreit, und als sie ins Haus getreten und diese gesehen, hat sie sich schweigend an den Herd gesetzt.

Die Kinder jedoch haben sie sogleich erkannt und sich schmeichelnd an sie gedrängt, worauf ihre Stiefmutter ihnen geboten, von ihr wegzugehen, da das Bettelweib sie nichts anginge. Das hat sie nicht ertragen können und gesagt: "Wohl gehen sie mich mehr an als dich", und gerade bei diesen Worten ist ihr Mann ins Haus getreten, hat sie freudig wiedererkannt und nun die erste neben der zweiten im Hause behalten. So hat sie denn noch einige Jahre bei ihm gelebt, hat aber nie eine andere Speise als "mörre Äppel" zu sich nehmen können.

Aus Bolle, am Maarbach und Ölbach

Der große Brand von 1517

Dienstag, August 18th, 2009

Der große Brand von 1517

"Feurio! Feurio! Feurio!"

Gellend zerreißt der Ruf des Türmers von der Probsteikirche dei stille Nacht zum 26. April 1517. Entsetzt fahren die Bochumer Bürger aus den Betten und rennen auf die Straßen. Aufgeregte Stimmen schreien durcheinander: "Es brennt! Es brennt!"

"Wo denn?"

"Am Wölenbrink! Am Becktor!"

Schaurig bimmelt die Feuerglocke. Am Himmel steht ein heller Schein, und dichten Rauch treibt der Wind über die Stadt. Kinder schreien vor Angst, alte Leute jammern, die Tiere brüllen angstvoll in den Ställen und zerren wild an ihren Ketten. Frauen laufen weinend hin und her. Männer eilen im Sturmschritt vorüber zum Rathaus, um lederne Eimer und Löschgeräte zu holen. Die ganze Stadt ist in wildem Aufruhr. Noch weiß niemand, wo es wirklich brennt. Nur der Feuerschein wird größer und heller, und der Qualm beißt in den Augen und legt sich erstickend auf die Brust. Eine, zwei, drei Gassen stehen schon in Flammen. Funken hüpfen von Dach zu Dach, gierig frißt das Feuer das Stroh, und der Wind treibt die Glut von Straße zu Straße. Schon hasten einige Leuten den Stadttoren zu. Bald werden ihrer immer mehr, die, mit Bündeln bepackt, kleine Kinder an der Hand, um Hilfe rufend aus der Stadt flüchten. Pferde und Kühe haben sich losgerissen und bahnen sich zwischen den Fliehenden hindurch einen Weg ins Freie. Eine furchtbare Angst hat die ganze Stadt erfaßt. Aber da ist keine Hilfe mehr. Es rettet sich, wer kann. Die Bürger rennen um ihr nacktes Leben, über ihnen braust der Funkensturm, und neben ihnen schlagen die Flammen aus den zersprungenen Fenstern und lecken nach dem Dachstroh hinauf. Viele können sich vor die Stadttore in Sicherheit bringen, aber nicht alle.

Da stehen sie nun, notdürftig bekleidet, manche mit schweren Brandwunden und angesengten Haaren. Sie suchen nach ihren Kindern, Geschwistern und Eltern und sind bettelarm. Sie schauen mit Tränen in den Augen in die Glut.

Wie konnte das Unglück so plötzlich geschehen?

Spät abends war Johannes Schrivers von Blankenstein heimgekommen. Da muß er wohl in seinem Haus unvorsichtig mit dem Feuer umgegangen sein. Schon schlug die Flamme aus dem strohgedeckten Dach,als der Türmer "Feurio" rief. Und da die Fachwerkhäuser so dicht beieinander gebaut waren, trieb der Wind das Feuer von Haus zu Haus.

Am anderen Morgen lag ganz Bochum in Schutt und Asche. Nur der rauchgeschwärzte Turm der Propsteikirche blickte traurig über das Trümmerfeld hinweg.

 

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Die Pest

Dienstag, August 18th, 2009

Die Pest

"Morgen ist in Bochum Schützenfest", sagt Dietrich Teile in Recklinghausen zu seiner Frau. " Da gibt es immer viel Spaß. Ich fahre in der Frühe hin und stelle Pferd und Wagen bei meinem Bruder Jan unter. Übermorgen abend bin ich wieder zurück!"

Beim ersten Hahnenschrei steht Dietrich schon vor seiner Tür, spannt die Braunen an, und mit "Hotte hüh" geht’s los. Es ist eine schöne Fahrt nach Bochum. Die Sonne vertreibt die Morgennebel und läßt den Tau an den Gräsern in allen Regenbogenfarben erglitzern. Hoch über den Feldern jubiliert eine Lerche.

Aber seltsam! In früheren Jahren waren am Schützenfesttage die Wege nach Bochum voller Leute, die mitfeiern wollten. Doch heute ist Dietrich ganz allein unterwegs. "Vielleicht ist es noch zu früh!" denkt er, und je näher er Bochum kommt, um so mehr wundert er sich. "Oder sollte das Fest verschoben sein?" - Dann hätte mir mein Bruder Bescheid geschickt!" Langsam wird es Dietrich unheimlich. Er ist schon ganz nahe bei der Stadt. Alles ist ruhig, keine Menschenseele ringsum, kein Hund bellt, keine Kuh brüllt, kein Vieh in der Vörde! Da stimmt etwas nicht! Auch die Pferde vor dem Wagen benehmen sich so eigenartig: sie blähen die Nüstern, bocken, treten aus. Dietrich muß die Peitsche nehmen. Es scheint niemand in der Stadt zu sein; denn nirgendwo qualmt ein Schornstein. "Ob vielleicht Feinde in der Nähe sind, daß die Bochumer flüchten mußten?"

Nun hat Dietrich das Becktor erreicht. Es steht weit offen. Der Wagen rumpelt über die Zugbrücke. Kein Wächter im Torhaus! Die Straßen sind verödet, Türen und Fenster stehen offen, man kann in alle Stuben sehen. Teller und Tassen warten auf den Tischen, Töpfe auf den Herden. Laut rattert der Wagen über das holprige Pflaster, und dumpf hallt der Hufschlag wieder. Eine schwarze Katze läuft Dietrich über den Weg. Das bedeutet Unglück. Kurz vor dem Markt erblickt er ein Gefährt: ein Wagen kommt ihm entgegen, vollbeladen mit Toten. Da packt ihn lähmendes Entsetzen.

"Halt! Halt!" ruft ihm jemand zu, "kehre schnell wieder um! Der schleichende Tod lauert in der Stadt!"

Die Pest! fährt es Dietrich durch den Sinn. Ein kalter Schauer jagt über seinen Rücken, die Haare stehen ihm zu Berge. Die Pest! Er wendet, schlägt wie von Sinnen auf seine Pferde ein, und in gestrecktem Galopp rasselt der Wagen zurück durch die toten Gassen und über die Zugbrücke hinaus aus der Unglücksstadt. -

Die Pest hat damals im Sommer 1544 in Bochum reiche Ernte gehalten. Sie wütete so schrecklich, daß fast alle Einwohner daran gestorben sind. Die letzten aus der Stadt flohen in die Wälder. In der Geschichte Bochums kann man lesen: "To To Bokum was die Sommers so ein gruweliche Pestilenz, dat die Lüde uet in die Walde vlohen und markeden uff die Velde Hütten und Wonunge . . ."

Nur zögernd kamen nach Monaten die Überlebenden in die Stadt zurück. Sie beerdigten die Toten. Nach und nach nahm das Leben wieder seinen Lauf, die wenigen Bauern bestellten die Felder, und die Handwerker arbeiteten in den Werkstätten. Noch einmal erschien nach Jahren die Pest in Bochum, aber sie hat nur wenige Opfer gefordert. Doch die Zeiten blieben unruhig, und bald erlebten die Bochumer einen langen Krieg mit all seinen Schrecken.

 

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Bochum zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Montag, August 17th, 2009

Bochum zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

an der Straße nach Witten, kurz vor der Stadt, hocken in einem dichten Gebüsch gut versteckt zwei Männer.

"Jetzt lauern wir hier schon drei Tage und Nächte. Dabei müßte ich unbedingt den Weizen schneiden."

"Gedulde dich nur, du wirst dein Korn doch nicht behalten können!"

"Das sind aber auch schreckliche Zeiten! Nun schreiben wir 1643.  - 25 Jahre lang wütet schon der Krieg. Sollen wir denn gar nicht mehr friedlich leben können? Spanier, Schweden, Holländer, Italiener, Dänen, Deutsche, allerlei Völker ziehen in unserer Grafschaft hin und her, schlagen sich, zertrampeln die Felder, stehlen das Vieh von der Weide, plündern die Häuser und nehmen mit, was niicht niet- und nagelfest ist. Und wenn man nicht freiwillig gibt, zünden sie einem das Dach über dem Kopfe an. Wer weiß, wie viele Bürger sie schon gefangen weggeführt haben oder wie viele grausam umgebracht worden sind! Der Herrgott könnte doch ein Einsehen mit uns haben!"

Bei diesen Worten beugt er sich weit vor und schaut die Straße entlang.

"Du, Hinnerk, da wälzt sich eine große Staubwolke heran."

"Tatsächlich! Sie kommen! Hoffentlich sind’s nicht zu viele. Was werden die zu Hause wieder jammern, wenn wir ihnen diese Nachricht bringen!"

Schnell verbergen sich die beiden Kundschafter im Gebüsch und lauern. Bald hören sie Schritte. Vorsichtig lugen vier wachsame Augen zwischen den Blättern hindurch. Auf der Straße ziehen Soldaten vorbei in bunten Uniformen mit Schwertern und Spießen und langen Gewehren. Einige vollbepackte Wagen führen sie mit sich, sogar ein paar Frauen und Kinder sind dabei.

"Du, Hinnerk"; flüstert der eine der beiden Kundschafter, als die Truppe vorbeimarschiert ist, "das waren mindestens 500 Mann."

"Jetzt aber schnell zurück!"

Rasch kriechen die beiden aus ihrem Versteck hervor, springen auf ihre Pferde, die sie tief im Walde angebunden hatten, und reiten auf einem Umweg, so schnell die Tiere laufen können, nach Bochum zurück.

500 Mann, das ist eine traurige Botschaft für die Bochumer. Gegen so viele Soldaten mit Gewehren kann man sich nicht verteidigen, die Stadt ist ihnen auf Gnade und Barmherzigkeit ausgeliefert. Die Tore brauchen gar nicht geschlossen werden, die Feinde würden die Stadt doch erobern.

Gegen Abend marschieren die Soldaten in Bochum ein. Jedes Haus muß fünf oder sechs Mann aufnehmen, sie verpflegen und beherbergern. Doch die Landsknechte sind damit nicht zufrieden. Sie brechen die Keller auf und zapfen das Bier; sie plündern die Räucherkammern und stehlen die letzten Würste; sie fangen das Federvieh und braten es. Im Rathaus schlagen sie die Wände ein. Sie nehmen sich Holz zum Wärmen für die Nacht und verlangen Heu und Hafer für die Pferde und Stroh in die Ställe. Sie stehlen das Schloß des Bongardtores und zerschlagen das Becktor. Sie fallen über Kästen und Truhen her und schleppen weg, was sie gebrauchen können. Sie plündern und brennen in der Umgebung, und als sie weiterziehen, fordern sie noch viel Geld von der Stadt.

So geschah es viele Male im Laufe des langen Krieges. Die Bürger lebten in ständiger Angst, bei Tage, ob die Kundschafter heranrückende Feinde meldeten, bei Nacht, ob nicht eiserne Fäuste an die Tore hämmerten. Die Bauern wagten kaum noch, die Äcker vor der Stadt zu bestellen, aus Furcht, umherstreifende Soldaten würden ihnen die Pferde nehmen.

Nach 30 schrecklichen Jahren wurde schließlich der Friede geschlossen. Von allen Kirchen läuteten die Glocken, und auf den Bergen rund um Bochum flammten Freudenfeuer zum Himmel.

 

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Räuber in der Bochumer Gegend

Sonntag, August 16th, 2009

Räuber in der Bochumer Gegend

Vor dem Rathaus am Markt hält ein Postillon, Stabbedeckt ist sein Rock, und seinem Pferde steht der Schaum vor dem Maule. Er hat einen weiten Weg hinter sich, er kommt von Köln und muß Eilbriefe und Geld nach Soest befördern. Nur eine kurze Ruhepause und einen Trunk Wasser gönnt er seinem Tier. Sogleich muß er wieder reiten, denn die Sonne versteckt sich schon hinter den Bergen.

Matt beleuchtet der Mond den Hellweg. Nur den Hufschlag seines Pferdes hört der Postillon, sonst keinen Laut in der stillen Nacht.

"Halt!" schreit ihn da plötzlich eine Stimme an. Zwei Männer springen aus einem Gebüsch, reißen ihn vom Pferde, ein schwerer Schlag trifft ihn an den Kopf. Sie nehmen ihm die Tasche und das Pferd ab und sind im Nu in der Dunkelheit verschwunden. Am anderen Morgen findet ein Bauer den besinnungslosen Postillon am Wegesrand.

"Räuber sind in unserer Gegend, Räuber, Straßendiebe!" geht es von Mund zu Mund. Und ehe es der letzte Bochumer gewahr geworden ist, beratschlagen die Räuber einen neuen Überfall. "Heute Abend plündern wir den Hof von Frielinghaus!" sagt Heinrich Plettenberg zu seiner Bande. Sein Bruder Stiel und er sind die Anführer.

Bald reißen die Nachrichten über die Untaten nicht mehr ab. Es waren sogar schon einige Leute totgeschlagen worden. Die Stadtväter wußten sich keinen Rat. Die Bauern der einsam liegenden Gehöfte konnten des Nachts vor Angst nicht mehr schlafen; denn bald plünderten die Räuber hier, bald dort.

In seiner Not schrieb der Bürgermeister an den König und bat ihn um Hilfe. Der schickte einen tüchtigen Polizeibeamten und eine Kompanie Feldjäger. Die Soldaten suchten die ganze Gegend ab und erwischten 58 Räuber und die beiden Anführer. Sie wurden mit eisernen Ketten aneinandergefesselt und nach Rußland gebracht.

 

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Die erste Straße wird gebaut

Samstag, August 15th, 2009

Die erste Straße wird gebaut

"Wenn Ihr in Zukunft Ruhe vor Räubereien und Überfällen haben wollt", sagte der Polizeibeamte zu den Stadtvätern, "dann müssen unbedingt feste Straßen angelegt werden." Die Straßen waren nämlich sehr schlecht. Das Pflaster bestand aus dicken Steinen, die einfach nebeneinander gelegt waren. Daher brachen oft die Räder, wenn ein Wagen schwer geladen hatte. Viele Straßen waren überhaupt nicht gepflastert, bei Regenwetter verwandelten sie sich in Schlammwege.

Die Straßen, die in die Umgebung führten, zeigten tiefe Schlaglöcher und Räderspuren, die meistens voll Wasser standen. An ihren Rändern wucherten Hecken und Büsche, in denen sich Räuber gut verstecken konnten.

Frisch gingen die Bürgerrotten an die Arbeit: sie rodeten die Büsche, fuhren Steine an und machten die Wege rund um die Stadt zu ordentlichen Straßen.

Doch die Kaufleute waren mit dieser Arbeit nicht zufrieden. Sie hätten die Straßen gerne weiter ausgebaut gesehen, vor allem die nach Witten. An dieser lagen nämlich die Gruben, von denen die Kohlen mit Pferdegespannen abgefahren wurde. Aber die Stadt hatte nicht viel Geld.

Schließlich wurden die Arbeiten doch begonnen, und als es gar bekannt wurde, der König käme in Kürze nach Westfalen und wolle auch Bochum besichtigen, da machten sich die Bürger ans Werk.

So wurden 1794 die Straßen nach Witten und nach Steele fertiggestellt. Man nannte sie "Chausseen", das sind Straßen, die schön gerade verlaufen mit Bäumen an ihren Rändern. Von Räubern aber hat man seit dieser Zeit nie mehr etwas gehört.

 

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Wie vor 300 Jahren die Kohle gehackt wurde

Samstag, August 15th, 2009

Wie vor 300 Jahren die Kohle gehackt wurde

"Johann, das Holz ist feucht und schlecht zu hacken, ich bekomme kaum noch das Essen gar. Laß uns doch mal die Kohle versuchen!" sagt Kathrein zu ihrem Mann, dem Bürgermeister Johann Bodde.

Bürgermeister Bodde macht sich auf den Weg nach Wiemelhausen zu Bauer Ostermann.

"n Tag, Bürgermeister, was führt dich denn nach Wiemelhausen?" fragt Bauer Ostermann, als Bodde auf seinen Hof kommt.

"Ich wollte einen Ringel Kohlen bei dir kaufen." (1 Ringel = 11/Zentner)

"Ach, das tut mir leid, wir haben gerade viel Arbeit auf dem Felde. Du weißt ja, meine Jungen hacken die Kohle nur so nebenbei, wenn sie Zeit haben. Frag doch mal den Stratmann, vielleicht hat der welche da."

Bürgermeister Bodde geht also hinüber zu Bauer Stratmann.

"Da hast du aber Glück, mein Hannes ist gerade an der Pinge!"

"Gut, dann kann ich mir das gleich begucken!"

Von dem Pütt war nicht viel zu sehen. Mitten in einer Wiese hatten Hannes und der Knecht ein großes Loch gegraben. Darin waren die schwarzen Steine in einem breiten Streifen sichtbar. Hannes schlug mit einer Hacke die Kohle los, und der Knecht schaufelte sie in einen Sack. "Wir holen immer nur so viel, wie bestellt wird, und wenn in dem Loch nichts mehr zu holen ist, dann graben wir eine neue Pinge", erklärt Hannes. Damit packt er einen Sack auf den Wagen, nimmt die Braunen am Zügel und sagt: "Mehr brauchen wir diese Woche nicht!"

"Und was muß ich für den Ringel bezahlen?" fragt Bürgermeister Bodde.

"Vier Stüber!" (1 Stüber = 1 Pfennig)

"Wenn die Kohle so wenig kostet, dann nehme ich sie jetzt immer. Holz ist ja dreimal so teuer!"

Bald merkten alle Bochumer, daß die Kohle bedeutend billiger war als das Holz aus Weitmar. Darum bestellten sie bei den Bauern Stratmann und Ostermann die schwarzen Steine. So viel konnten Hannes und der Knecht und die beiden Ostermann-Jungen jedoch nicht beschaffen. Da machten sich auch andere Bauernsöhne an die Arbeit. Die Leute nannten sie die "Köller", weil sie die Kohle hackten.

 

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