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Archive for the ‘Geschichten’ Category

Wachstum

Donnerstag, August 20th, 2009

Wie Bochum gewachsen ist von 1650 bis 1929

1650 bis 1850

1904

Einwohnerzahl: 117 000

1926

1929

Einwohnerzahl: über 320 000

1975 wurde der letzte Stadtteil eingemeindet: Wattenscheid.

Einwohnerzahl heute: ca. 380 000

 

 

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Zuwanderer

Donnerstag, August 20th, 2009

Zuwanderer um 1760 und 1880 herum

1760er

1880er

 

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Unsere Heimat zur Zeit Christi

Dienstag, August 18th, 2009

 Unsere Heimat zur Zeit Christi

Es war in der Zeit, als unser Herr Jesus Christus noch im Judenlande predigte. Da zog der römische Kaufmann Emilius mit seinen Knechten und Wagen am Ufer der Ruhr entlang, um mit den Menschen, die in unserer Heimat wohnten, zu handeln.

Er machte ein sehr brummiges Gesicht; denn es war nebelig, und ein leichter Regen nieselte aus grauen Wolken. Der Weg war schlecht und unheimlich und führte durch einen schier endlosen Wald mit steinalten Buchen und knorrigen Eichen. Ein Freund hatte dem Kaufmann erzählt, es gäbe sogar Bären und Wölfe und andere wilde Tiere an der Ruhr.

Endlich gelangten die Fremden auf eine Lichtung und entdeckten unter hohen, mächtigen Bäumen einen Bauernhof. An Kornfeldern vorbei und durch saftige Wiesen hindurch kamen sie an einen Hofzaun. Aber als Emilius das Tor öffnen wollte, sprangen ihm ein paar große Hunde böse bellend entgegen. "Zurück, Harras!" rief eine Stimme aus dem Hause, und ein stattlicher Mann kam ans Gatter und ließ die Fremden ein. Nun war der römische Kaufmann Gast bei Ingo, einem germanischen Bauern aus dem Volke der Sigambrer. Er tauschte - denn Geld kannten die Germanen nicht - bunte Stoffe und Ackergeräte gegen Felle.

 

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Der Hellweg

Dienstag, August 18th, 2009

Der Hellweg

Seit der ersten Fahrt des Kaufmanns Emilius sind viele Jahre vergangen. Heute sehen wir ihn wieder durch unsere Heimat ziehen. Aber nun braucht er nicht mehr den schlechten Waldweg zu benutzen, dieses Mal kommt er auf einer guten Straße dahergefahren. In der Zwischenzeit hat sich nämlich viel geändert.

Da waren eines Tages römische Soldaten in das Land eingefallen, um unsere Heimat zu erobern. Aber in den großen Wäldern konnten sie schlecht marschieren, und ihre Wagen kamen nicht voran. Deshalb schickte der Führer einen Trupp Soldaten voraus, um eine Straße durch die Wälder anzulegen. Die Männer fällten Bäume, hackten die Äste ab und legten die Stämme quer über den Weg.

Diese Straße führt vom Rhein bei Duisburg-Ruhrort, zwischen der Emscher und der Ruhr entlang, an Essen vorüber, über Bochum und Dortmund durch den Teutoburger Wald zur Weser und hat den Namen "Hellweg".

Auf dieser Straße kommt der Kaufmann gut voran. Aber er trifft nur noch selten einen Hof der Germanen an; denn die Römer haben viele Bauern vertrieben. Trotzdem braucht er sich nicht zu sorgen, wo er in dieser Nacht schlafen und seine Pferde und Wagen unterstellen kann. Denn bald wird er eine Kreuzung erreichen. Hier stößt der Hellweg auf eine andere Straße, die vom Rhein durchs Bergische Land nach Münster führt. An dieser Stelle, an der die beiden Straßen sich treffen, steht ein Gasthaus. Da wird Emilius noch andere Kaufleute finden. Sie werden am warmen Feuer sitzen, einen kräftigen Bärenschinken essen und Met dazu trinken und sich die neuesten Geschichten erzählen. Emilius freut sich schon darauf, und schmunzelnd treibt er seine Pferde an.

 

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Wie das Dorf Bochum entstand

Dienstag, August 18th, 2009

Wie das Dorf Bochum entstand

Der Kaufmann Emilius ist schon lange tot, und die römischen Soldaten haben vor vielen Jahren unser Land verlassen. Aber die beiden großen Straßen sind noch da, und auch das Gasthaus steht noch an der Kreuzung. Doch hat es einen vornehmen Nachbarn bekommen. Das ist der Graf Cobbo. Ihm gehört das ganze Land ringsum. Er hat es von seinem Vater geerbt. Dem schenkte es der Kaiser Karl, weil er ihm geholfen hatte, die verschiedenen deutschen Stämme zu einigen.

Eines schönen Sommerabends sitzt Graf Cobbo und der Gasthofbauer auf der Bank vor dem Hause.

"Hoffentlich hält sich das Wetter noch diese Woche, damit wir den Roggen einfahren können", meint der Gasthofbauer und schaut prüfend zum Himmel hinauf.

"Ich denke doch", entgegnet Cobbo, "die Schwalben fliegen hoch, und die Mücken tanzen so lustig."

"Es wäre auch zu schade um die Ernte; in diesem Jahr ist sie besonders gut geraten."

"Das liegt an dem fruchtbaren Lehmboden, den wir in unserer Heimat haben."

"Ja, wir wohnen in einer guten Gegend: das wertvolle Ackerland gibt reiche Ernten, die klaren Bäche bewässern unsere Wiesen, daß saftiges Gras wächst, und in den Buchen- und Eichenwäldern lebt noch allerlei Wild."

"Eigentlich könnten hier noch mehr Bauern wirtschaften; denn weite Flächen sind noch unbebaut."

"Sicher, Herr Graf, Ihr könntet noch viel Land abgeben!"

"Das werde ich auch tun! - Gute Nacht, Gasthofbauer!"

Graf Cobbo geht seinem Haus zu. Er hat einen großen Hof, fast ein Schloß. "Reichshof" wird er in der Umgebung genannt; denn wenn der Kaiser des Deutschen Reiches durch Westfalen kommt, oder wenn der Bischof von Köln die Kirchen besichtigt und die hl. Taufe spendet, dann wohnen sie im Reichshof beim Grafen Cobbo.

Später rief der Graf Bauern ins Land. Sie rodeten die Wälder, machten den Boden urbar, jeder so viel, wie er brauchte. Die gefällten Bäume benutzten sie zum Hausbau. So entstanden der Vidumshof, der Hof von Hermann up dem Steinweg, der Bongard-, der Hellweg- und der Brunsteinhof. Jedes Jahr im Herbst, wenn die Ernte eingebracht war, zahlten sie dem Grafen die Steuern: Korn, Stroh und Heu und Schinken, Würste, Speck und Eier. Auch Flachs wurde abgeliefert, daraus webte man die Kleider und Anzüge. Ihrer Siedlung gaben die Bauern den Namen "Bokhem", d. h. " Heim der Buchen". Daraus wurde später der Name "Bochum".

 

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Der Schultheiß

Dienstag, August 18th, 2009

 Der Schultheiß

Inzwischen sind viele Jahre vergangen, und der Ort "Bokhem" ist bedeutend größer geworden: neue Bauern haben sich angesiedelt, Handwerker errichteten ihre Werkstätten, und Händler leißen sich hier nieder. In der Mitte der Siedlung aber reckt noch immer der Reichshof stolz sein Dach in die Wipfel der Buchen. Doch wohnt dort nicht mehr Herr Cobbo; der ruht längst im Grabe. Ein Graf von der Mark hat das Land erworben und als seinen Stellvertreter einen Schultheißen genannt, der die Bauern heißt = ihnen sagt, was sie dem Grafen schuldig sind. Gleichzeitig ist er der Richter im Ort und wohnt im früheren Reichshof. Seitdem führt der Reichshof den Namen "Schultheißenhof".

Der neue Landesherr meint es gut mit den Bochumern. Er erlaubt ihnen, jede Woche einen Markt abzuhalten und gewährt den auswärtigen Kaufleuten, die hier ihre Waren anbieten wollen, mit ihren Wagen eine Tagereise weit seinen Schutz auf der Hin- und Rückfahrt.

Der Schultheiß regelt im Auftrage des Grafen den Marktverkehr: er prüft die Maße und Gewichte, damit niemand betrogen wird, und sorgt für Ruhe und Ordnung, wenn am Markttage einmal Streitigkeiten ausbrechen. Wer sich seinen Anordnungen nicht fügt, den darf er sofort bestrafen.

 

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Bochum wird eine Stadt

Dienstag, August 18th, 2009

Bochum wird eine Stadt

Am 8. Juni 1321 sind die Bochumer Ratsmänner in großer Aufregung. Graf Engelbert II. ist nämlich auf seiner Burg Blankenstein eingetroffen und hat den Rat von Bochum zu sich geladen.

"Was will er wohl von uns?" Diese Frage fliegt von einem zum anderen; der vermutet dies, der meint das. Schließlich mahnt der Schultheiß zur Eile: "Wir dürfen den Grafen nicht so lange warten lassen!"

Da machen sie sich auf den Weg. -

Blankenstein ist erreicht. Der Türmer auf dem mächtigen Burgfried hat die Ankommenden schon auf der anderen Ruhrseite bemerkt. Aufmerksam beobachtet er, wie sie sich nähern. Da erkennt er den Schultheißen und ruft den Torwächter an, die Bürger einzulassen. Sie überqueren den Burghof zum Wohnhaus hin. Erwartungsvoll steigen sie die Treppe zum Rittersaal empor. Der Burgvogt öffnet ihnen die große Flügeltür.

"Tretet nur ein", ermuntert er die Bochumer, "unser gnädigster Herr wird euch gleich empfangen."

Staunend bleiben die Bürger an der Schwelle stehen. Ihre Blicke treffen sich an der Stirnwand des Saales. Da steht auf einer Erhöhung der Sessel des Landesherrn. Drei Stufen, mit kostbarem Teppich belegt, führen hinauf.

Jetzt öffnet sich auch schon eine Nebentür. Ein Ritter, von Kopf bis Fuß in eine funkelnde Rüstung gehüllt, tritt ein. Auf seinem Brustpanzer leuchtet das Wappen der Grafen von der Mark.

Die Männer der Bochumer Bürgerschaft verbeugen sich ehrfürchtig vor ihrem Landesherrn. Graf Engelbert erwidert ihren Gruß und spricht:

"Ihr Bürger von Bochum! Ich habe euch auf den "Blanken Stein" gerufen, um euch ein sehr bedeutsames Schriftstück zu übergeben. Darin habe ich alle Rechte aufschreiben lassen, die ich meiner Gemeinde Bochum verliehen habe. Darüber hinaus dürft ihr in Zukunft eure Gemeinde selbst verwalten. Bochum soll fortan die Rechte einer Stadt haben.

Der Stadt Bochum gewähre ich noch zwei weitere Kram- und Viehmärkte mit Sicherheit für die Marktbesucher zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Markt. Den gesamten Marktverkehr stelle ich unter meinen besonderen Schutz. Wer gegen den Marktfrieden verstößt, dem soll zur Strafe eine Hand abgehauen werden. Und zum Zeichen dafür, daß Bochum nun eine Stadt ist, will ich in Bochum auch Geld prägen lassen."

Mit diesen Worten übergibt der Graf den Bochumern die wichtige Schriftrolle, an der drei große, rote Siegel hängen.

 

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Bochum wird befestigt

Dienstag, August 18th, 2009

Bochum wird befestigt

Der Ausrufer kommt in die Bleichstraße und schellt mit seiner Glocke. Überall öffnen sich Fenster und Türen, Frauen schauen heraus und horchen, Kinder drängen sich neugierig um den Mann. Jetzt schellt er wieder und ruft: "Heute nachmittag erscheinen alle Ratsherren un 5 Uhr im Rathaus zu iener wichtigen Besprechung!" Zweimal verkündet er die Mitteilung, damit alle Leute sie verstehen. Dann geht er zur nächsten Gasse, die Kinder hinterdrein.

Der Rat ist versammelt. An einem langen Tisch sitzen die acht Ratsmänner und die beiden Bürgermeister. Diderik de Schulte, der erste Bürgermeister steht auf. Alle hören gespannt zu, was er ihnen zu sagen hat.

"Ratsmänner! Ihr wißt, unsere Stadt und ihre Umgebung gehören dem Erzbischof von Köln. Der hat das Land dem Grafen von der Mark gegeben. Dafür muß der Graf dem Erzbischof Steuern bezahlen. Nun aber will der Graf nur noch dem Kaiser den Zins geben. Deshalb ist zwischen dem Grafen und dem Erzbischof ein Krieg ausgebrochen. Beide Gegner haben sich zu ihrem Schutze Burgen gebaut. Zuerst wurde die Isenburg bei Hattingen an der Ruhr errichtet. Bald entstand die Wasserburg mitten in unserer Stadt. Ich erinnere Euch an das viele Geld, das wir dafür aufbringen mußten, und an die Arbeit, die wir dabei zu leisten hatten. Dadurch ist nun unsere Stadt in Gefahr geraten, von Soldaten besetzt, geplündert und verwüstet zu werden. Davor müssen wir uns schützen!"

Bis hierher hatten die Ratsmänner aufmerksam zugehört. Nun aber erhebt sich ein Tumult, alle reden durcheinander vor Empörung und Sorge. Diderik de Schulte nimmt die Glocke und läutet um Ruhe. Dann fährt er fort:

"Ich schlage vor, wir umgeben die Stadt mit einem hohen Wall und einem Wassergraben."

"Aber woher sollen wir das Geld dafür nehmen, die Kasse ist leer!" ruft einer der Ratsmänner dazwischen.

"Wir führen die Arbeiten selbst aus! Jeder Bochumer Bürger muß mithelfen!"

"Wie denn?"

"Wir teilen die Bürgerschaft in mehrere Gruppen: die ersten brechen im Steinbruch die Steine; die nächsten fahren mit ihren Wagen die Steine zum Wall; andere schachten den Graben aus, die Erde können wir am Wall verarbeiten; wieder andere schlagen Holz im Wald für die Tore und schaffen es an die Baustelle; alle übrigen bauen den Wall auf."

"Natürlich kann nur im Winter gearbeitet werden, denn im Sommer ist jeder Bauer selbst vollauf beschäftigt", ergänzt der zweite Bürgermeister.

"Und was bekommen wir für die Arbeit?" fragt einer.

"Nichts! Die Stadt hat kein Geld. Entweder packt jeder freiwillig mit an, dann ist Bochum sicher vor Feinden. Oder ihr verlangt Lohn, dann wird nichts aus dem Wall, und ihr müßt zusehen, wie euch das Dach über dem Kopf angezündet wird. Dann aber habt ihr nichts mehr."

Das verstanden alle, und so beschlossen die Ratsmänner, im nächsten Herbst mit dem Bau von Wall und Graben zu beginnen.

 

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Die Geschichte vom Bochumer Maiabendfest - Das Bochumer Jungenlied

Dienstag, August 18th, 2009

Die Geschichte vom Bochumer Maiabendfest

Graf Engelbert III. sitzt auf dem Blanken Stein vor dem Kaminfeuer. Sorgenvoll hat er seinen Kopf in die Hand gestützt. Die letzten Tage brachten ihm schlechte Nachrichten. Er liegt nämlich mit der Stadt Dortmund in Fehde. Grübelnd schreitet er im Rittersaal auf und ab.

Plötzlich wird die Tür aufgerissen. Völlig abgehetzt stürzt ein junger Bauer herein. Atemlos berichtet er:

"Gestern abend . . . in der Dämmerung . . . haben Dortmunder Kriegsknechte unser Dorf Harpen überfallen . . . Es kam alles so plötzlich, daß wir uns nicht wehren konnten. Das gesamte Vieh, Pferde, Kühe und Schweine, holten sie aus den Ställen und trieben es fort. Den letzten Gaul habe ich fast zu Tode geritten, um es Euch zu melden. Wir bitten um Eure Hilfe, um den Dortmundern ihre Beute wieder abzujagen!"

"Auch das noch!" denkt Graf Engelbert, "wie soll ich da helfen? Meine Soldaten stehen viel zu weit weg von hier, die können nicht schnell genug nach Harpen kommen, um die Diebe zu verfolgen. Die Burgmannschaft ist zu gering an Zahl, sie würde gegend die Dortmunder nichts ausrichten." Er geht wieder auf und ab und überlegt hin und her, doch weiß er keinen Rat.

Da meldet der Burvogt den Bürgermeister von Bochum, der das neue Stadtsiegel abholen will. Graf Engelbert erzählt ihm von dem Überfall.

"Größte Eile tut not! Könnt Ihr Bochumer da nicht helfen?"

"Da kast’ die drop verloten!" antwortet der Bürgermeister und reitet auf schnellstem Wege nach Bochum.

Auf dem Marktplatz trifft er Hinrich, den Kuhhirten, der die Herde von der Vöde heimtreibt.

"Hinrich, blas schnell Alarm! Alle jungen Männer sollen sich vor dem Rathaus versammeln!"

Kaum ist das Signal verklungen, da kommen schon die ersten aus den umliegenden Häusern angerannt, aus allen Straßen und Gassen eilen sie herbei und umringen den Bürgermeister.

"Wat es los?" "Wat givt et denn?"

Mit kurzen Worten erklärt er, was vorgefallen ist, und daß er dem Grafen Hilfe versprochen habe. "Also! Wä gäiht met no Harpen?" -

Alle wollen dabei sein. Sie stürmen nach Hause. Jeder greift zu der Waffe, die ihm gerade zur Hand ist. Der Stadthauptmann ist als erster wieder zur Stelle; denn er führt seine Mannschaft hoch zu Roß an. Sein Herz hüpft ihm vor Freude im Leibe, wie er seine Mannen ankommen sieht: einer trägt eine Mistgabel auf der Schulter, ein anderer hält eine Sense in der Hand, ein dritter hat sich mit einem Dreschflegel bewaffnet, drüben kommt einer mit einer langen Eisenstange, der Schmiedegeselle schwingt einen schweren Hammer mit der Faust . . . Bald sind alle beisammen, und nun wehe den Pferderäubern! -

Inzwischen bricht der Abend an. Die Bochumer werden von den Harpenern begeistert empfangen. Diese unerwartete Hilfe gibt ihnen neuen Mut. Sie schließen sich den Nachbarn an, und dann geht die Verfolgung los. Aber sie müssen vorsichtig zu Werke gehen; denn gleich hinter Harpen verläuft die Grenze der Grafschaft Mark, dort beginnt das Gebiet der Stadt Dortmund. Darum schleicht sich jeder geräuschlos im Schatten der Büsche den Weg nach Lütgendortmund entlang.

Plötzlich hält der Schutzhauptmann an und lauscht in die Nacht hinein. Alles horcht gespannt auf. Da! Von dem einsamen Bauernhaus drüben tönt Kuhgebrüll und Stimmengewirr herüber. Dort sind sie! Der Hauptmann sammelt seine Leute um sich. Er hat sich einen Plan ausgedacht und flüstert ihn den Männern zu. Der Schmiedegeselle spuckt in die Hand, packt seinen Hammer fester und lacht über das ganze Gesicht. Der Plan gefällt ihm ausgezeichnet.

Nur der Mond sieht, wie die Bochumer und Harpener sich an den Hof heranpirschen. Die Dortmunder hingegen freuen sich über ihre so gut gelungene Untat. Ihre Verfolger aber sind schon bedrohlich nahe. Sie haben das Gehöft umzingelt, kauern sich hinter Hecken und Büsche, stecken zwei Finger in den Mund und warten auf das Zeichen ihres Anführers.

Auf einmal zerreißt ein vielstimmiges schrilles Pfeifen die Nacht. Entsetzt fahren die Dortmunder hoch, sie wollen zu den Waffen greifen, aber vor Schreck schlottern ihnen die Knie. Da gibt es nur eines: alles liegen und stehen lassen und - rette sich, wer kann. Die Bochumer und Harpener brechen in ein Freudengeheul aus. Jubelnd fallen sie sich in die Arme. Sie können es kaum fassen, daß die Dortmunder Kriegsknechte vor einem Pfeifkonzert Reißaus nahmen.

So kamen die Harpener wieder zu ihrem Vieh. Selbst die Pferde wieherten, wenn die Bauern von diesem Streich erzählten.

Auch Graf Engelbert war hocherfreut. Zum Dank für ihre Hilfe schenkte er den "Bochumer Jungens" jedes Jahr am Tag ihrer Heldentat einen starken Eichbaum. Den fällten sie im gräflichen Harpener Wald, dem Bockholt, und schleppten ihn durch das Becktor auf den Marktplatz. Da wurde das Holz versteigert und von diesem Geld eine fröhliche Feier veranstaltet.

 

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Auf Grundlage dieser Geschichte wurde das "Bochumer Jungenlied" geschrieben:

Bochumer Jungenlied

1. Strophe:
Es kann ja nicht immer so bleiben
Hier unter dem wechselnden Mond,
Es kommt eine Zeit und verwelket
Was mit uns die Erde bewohnt.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

2. Strophe:
Es haben viel fröhliche Menschen
Lang vor uns gelebt und gelacht,
Den Ruhenden unter dem Rasen
Sei fröhlich der Becher gebracht.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

3. Strophe:
Es werden viel fröhliche Menschen
Lang nach uns des Lebens sich freun,
Uns Ruhenden unter dem Rasen
Den Bechern der Fröhlichkeit weihn

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

4. Strophe:
Wir sitzen so traulich beisammen
Und haben einander so lieb,
Erheitern einander das Leben,
Ach, wenn es doch immer so blieb.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

5. Strophe:
Doch weil es nicht immer so bleibet,
So haltet die Freundschaft recht fest.
Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet
Das Schicksal nach Ost und nach West.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

6. Strophe:
Und sind wir auch fern voneinander,
So bleiben die Herzen doch nah,
Und alle, ja alle wollt’s freuen,
Wenn einem was Gutes geschah.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

7. Strophe:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
So knüpfen ans fröhliche Ende
Den fröhlichen Anfang wir an.

Refrain:
Und kommen wir wieder zusammen
Auf wechselnder Lebensbahn,
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten loten loten
Sind wir immer noch die Bochumer Jungens (Pfiff)
Junge, da kast di drop verloten

Burg Blankenstein

Dienstag, August 18th, 2009

Burg Blankenstein

Eines schönen Märztages vor ungefähr 300 Jahren macht sich der Stiepeler Gerichtsdiener Konrad Lindemann mit einigen anderen Dorfbewohnern auf den Weg nach Haneggen (Hattingen), um den dortigen Gregorius-Markt zu besuchen. Guter Dinge geht er zwischen den Ständen und Buden hindurch, nicht im geringsten ahnend, in welcher Gefahr er schwebt.

Georg von Hatzfeld nämlich, der Amtmann auf Burg Blankenstein, hat seine Schützen ausgesandt mit dem Befehl, Konrad Lindemann einzufangen, sobald sie ihn außerhalb Stiepel anträfen. In Stiepel selbst herrscht der Freiherr von der Reck auf Kemnade; hier hat der Blankensteiner Amtmann nichts zu sagen.

Und ehe sich Lindemann versieht, wird er gefangen, nach Blankenstein geschleppt und mit 30pfündigen Eisenfesseln in einer Ecke des finsteren Turmes angekettet. Nun sitzt der Ärmste in dem dunklen Gewölbe, und die Sorge um seine Frau und seine kleinen Kinder läßt ihm keine Ruhe.

"Ich muß hier heraus, mag es gehen wie es will", brütet er vor sich hin, "aber wie? Dieser Turm bildet den wichtigsten und stärksten Teil der Burg. Graf Adolf I. von der Mark ließ ihn 1226 aus den Steinen der Isenburg errichten. Das unterste Stockwerk dieses Berfriedes braucht man als Verließ für Gefangene oder auch als Schatzkammer. Es ist mit einer schweren Tür verschlossen, und die Mauern sind 3 m dick. Allerdings hat die Decke ein Loch, durch das ich in das nächste Stockwerk gelangen könnte. Das dient den Burgbewohnern als letzter und sicherster Zufluchtsort, wenn die Burg einmal von Feinden erstürmt werden sollte. Im obersten Geschoß wohnt in solchen Notzeiten der Burgherr mit seiner Familie. Hoch oben auf dem Bergfried hält der Wächter Ausschau nach allen Seiten und ruft "Feindio! Ten wapen, herre, ten wapen!", falls er Feinde sieht.

Aber jetzt sind keine Feinde zu erwarten", denkt Konrad Lindemann und rasselt mit der Eisenkette. "Wenn es mir gelänge, mich von meinen Fesseln zu befreien, müßte ich versuchen, die schwere Tür zu öffnen. Die Soldaten werden sie sicherlich nicht sorgfältig verschlossen haben, denn sie glauben, aus dem Verließ könne niemand entkommen."
Konrad Lindemann unterbricht seinen Fluchtplan. "Und einen Hunger habe ich! Die werden mich doch nicht etwa vergessen und mich lebendig verschmachten lassen? Schon deswegen muß ich hier heraus. Aus dem Turm kommt man in den Hof der Hauptburg. Da sehe ich and er einen Seite den Marstall, in dem die Pferde untergebracht sind, und das Herrenhaus, an der anderen Seite die Ziegelmauer. Über die Mauer zu klettern, hat keinen Zweck, da könnte ich abstürzen und mir unten auf den Felsen das Genick brechen. So bleibt mir also nur der Weg durch das Tor. Das wiederum ist mit zwei Türmen befestigt und außerdem noch durch die Zugbrücke geschützt. Denn der Zugang zur Burg wird durch einen tiefen Graben, die Gräfte, verwehrt. Diesen Graben kann ich nur überwinden, wenn die Zugbrücke heruntergelassen ist. Das höre ich ja an dem Rasseln und Klirren der Brückenketten . . . Vielleicht wäre ein Weg durch die Burgkapelle möglich. Aber nein, das ist auch zu gefährlich."

Konrad Lindemann wirft diesen Gedanken wieder fort.

"Ich muss unbedingt über die Zugbrücke in die Vorburg gelangen. Hier stehen die Häuser der Burgmannen, hier wohnen auch die Knechte und Mägde. Zwar ist die Vorburg mit Wall und Graben und Mauer umgeben, aber diese Befestigungen schaffe ich schon, wenn es mir mit Gottes Hilfe geglückt ist, aus der Hauptburg herauszukommen . . .

Ja, so muß es gehen! Hoffentlich bringt man mir bald etwas zu essen, sonst bin ich am Ende zu schwach, mich aus den Fesseln loszureißen."

Der Plan gefällt Konrad Lindemann. Er jagt eine vorwitzige Ratte weg und schickt ein Stoßgebet zum Himmel.

Am fünften Tage darauf machte der Soldat, der dem Gefangenen die kärgliche Suppe in den Turm bringen wollte, ein verdutztes Gesicht. Er traute seinen Augen nicht, doch Konrad Lindemann hatte sich aus den 30pfündigen Fesseln an seinen Beinen losgerissen, die schwere Tür aufgebrochen und war entkommen.

 

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