Jacob Mayer und Eduard Kühne gründen den Bochumer Verein
Jacob Mayer und Eduard Kühne gründen den Bochumer Verein
Auf dem alten Friedhof an der Wittener Straße, nahe der Ruhestätte Dr. Kortums, liegt der Mann begraben, der Bochum weltberühmt gemacht hat: Jacob Mayer.
Er war in einem Dorf in Württemberg geboren. Neben der Feldarbeit gab es in seiner Heimat keine Feuerstätten, in denen Eisen geschmolzen und in Stahl verwandelt wurde. Hier lernte Jacob Mayer das Schmiedehandwerk, zog dann als junger Mann nach Köln zu einem Verwandten und ging später sogar nach England, um mehr in dieser Kunst zu lernen. Schließlich brachte er es so weit, daß er eine ganz neue Art der Stahlverarbeitung, das Gießen von Stahl in Formen, erfand und errichtete bei Köln eine Werkstatt. Da hörte der Magdeburger Kaufmann Eduard Kühne von der Fertigkeit des Jacob Mayer und lieh ihm Geld, um eine Fabrik zu gründen. Diese Fabrik sollte in Bochum errichtet werden, weil es hier so gute Steinkohlen und Koks zum Schmelzen des Eisens gab. Es sind fast 120 Jahre her, als Jacob Mayer von der Stadt Bochum ein Stück Land an der Chaussee nach Essen, eine Viertelstunde von der Stadt entfernt, kaufte. Auf diesem Gelände entstand 1843 die Fabrik "Meyer & Kühne". Ungefähr 60 Arbeiter beschäftigte die junge Firma. Diese Belegschaft ließ Mayer in der Eifel anwerben; denn in Bochum gab es noch keine Stahlarbeiter. Aber schon nach 10 Jahren hatten viele Bochumer die Lehre bei "Mayer & Kühne" durchgemacht, und das Werk zählte über 200 Mann. Sie fertigten Eisenteile für die Eisenbahn, Räder, Glocken, Federn, Maschinenteil und noch viele andere Dinge mehr. Die Eisenwaren wurden so berühmt, daß der Kaiser Napoleon von Frankreich persönlich Jacob Mayer einen hohen Orden verlieh.

Gußstahlfabrik Mayer & Kühne, Bochum 1850. Aus dieser Firma ging 1854 der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation hervor.
Unermüdlich war Jacob Mayer in seinen Werkstätten tätig. "Des Sommers sah man ihn mit einer alten Strohkappe bedeckt durch die Betriebe gehen, während er an dunklen Wintertagen seine Gänge mit einer großen Stallaterne bewaffnet ausführte. Wenn er an der Schuttabladestelle vorüberkam, suchte er wohl gelegentlich mit seinem Spazierstock, ob er nicht etwa Stahl- oder Eisenabfälle darunter fand." In solcher Bescheidenheit und Sparsamkeit führte der tüchtige Mann sein Leben.
Vor ungefähr 100 Jahren erhielt die Fabrik "Mayer & Kühne" den Namen "Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation", und heute ist daraus das große Werk geworden, das 20 000 Bochumer beschäftigt.

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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