Friedrich Harkort
Friedrich Harkort
Gestern bin ich von Bochum nach Hagen gefahren. Ich hatte mich in eine Zeitung vertieft und schreckte plötzlich auf, als der Zug über eine stählerne Brücke donnerte. "Der Harkortsee!" sagte mein Gegenüber und deutete auf den See, zu dem man die Ruhr bei Wetter aufgestaut hat. "Und vom Alten Stamm dort drüben grüßt das Harkortdenkmal herunter.", erklärte ein anderer Mitreisender und zeigte auf einen Turm auf einem der Ruhrberge. Da erinnerten wir uns an Friedrich Harkort, dem wir diese Eisenbahnlinie durch das Ruhrtal zu verdanken haben.
Bei Wetter an der Ruhr stand Friedrich Harkorts Elternhaus. Sein Vater bewirtschaftete dort einen Bauernhof und besaß außerdem einige Kammerwerke, in denen kleine Eisenteile geschmiedet wurden. Als Friedrich noch ein Junge war, brach ein Krieg aus. Da verstummte das lustige "Pink-Pank" der Hämmer an der Ruhr; denn die Männer eilten zu den Waffen, um das Vaterland zu schützen. Lange blieben sie fort. Doch als sie heimkehrten, lohnte sich ihre Arbeit nicht mehr, weil andere Länder inzwischen bessere Eisenteile herstellten, so daß die Hammerführer ihre Ware nicht mehr verkaufen konnten. Aber nach einigen Jahren blühte das Handwerk wieder auf, und überall in unserer Heimat entstanden kleine Eisenfabriken. Das war das Werk Friedrich Harkorts.
Nach dem Kriege reiste er nach England, wo man in der Eisen- und Stahlverarbeitung große Fortschritte gemacht hatte. Er studierte in den englischen Fabriken, brachte Facharbeiter von dort mit an die Ruhr und errichtete in Wetter eine Werkstatt. Hier nahm er die westfälischen Arbeiter in die Lehre und zeigte ihnen, wie man Dampfmaschinen, Fördermaschinen, Drehbänke und Bergwerkspumpen herstellt. Jeder konnte in seiner Fabrik lernen, und die Arbeiter an der Ruhr waren wißbegierige Schüler. So gründete Friedrich Harkort die Eisenindustrie in unserer Heimat.
Damals herrschte im Stollenbau Hochbetrieb; denn die neuen Fabriken brauchten viel Kohle, um das Eisen zu schmelzen und zu schmieden. Kohle gab es zwar genug, aber wenig Möglichkeiten, sie zu den Fabriken zu befördern. Darum wandte sich Friedrich Harkort dem Eisenbahnbau zu. Zuerst fanden seine Pläne beim König wenig Gefallen, doch schließlich wurden die Bahnen doch gebaut.
So sehr Friedrich Harkort den Menschen im Ruhrgebiet geholfen hat, so wenig dachte er an sich selbst. Er war im ganzen Volke beliebt, und nach seinem Tode errichtete man dem Begründer der Eisenindustrie in unserer Heimat das weithin sichtbare Denkmal auf dem "Harkortberg".

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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