Die erste Postkutsche in Bochum
Die erste Postkutsche in Bochum
Der Handwerksbursche Frieder kommt auf seiner Wanderschaft nach Bochum. Aber als er die Stadt betritt, bleibt er vor Staunen stehen: alles ist festlich geschmückt. Aus den Fenstern hängen Fähnchen, die Häuser sind mit Blumen verziert, an den Straßenrändern hat man Birkenbäumchen gepflanzt, alle Leute tragen Sonntagskleider. Alt und jung ist auf den Beinen, nirgendwo wird gearbeitet. Verwundert geht er sie Beckstraße hinunter und gelangt zum Markt. Da ist ein großes Tor aus Tannengrün aufgebaut, darunter hängt ein Schild "Herzlich Willkommen!" Daneben hat sich die Kapelle der Feuerwehr aufgestellt. Vor dem Rathaus sind die Bürgermeister und die Ratsmänner versammelt, sie haben ihre schwarzen Anzüge angezogen und Zylinder aufgesetzt. Überall stehen die Bochumer in Gruppen beieinander in freudigen Gesprächen. Frieder geht auf einen Mann zu und fragt ihn: "Was ist denn bei euch los?"
"Wie", antwortete der, "das weißt du nicht? Heute, am 1. Juli 1803, kommt die erste Postkutsche nach Bochum. Jetzt können wir überall hin verreisen. Bisher gab es hier noch keinen Postwagen, nur donnerstags und sonntags hielt bei uns die reisende Post von Duisburg. Mittwochs und samstags kam die Fußpost von Lünen und ging am gleichen Tage zurück. Zur selben Zeit traf auch der Postbote von Essen hier ein und ging dann weiter nach Dortmund, tagsdarauf kehrte er wieder zurück. Nach Hattingen war bisher mittwochs und sonnabends der Postbote unterwegs. Da kannst du dir ausrechnen, wie viele Tage oder Wochen ein Brief brauchte, bis ihn der Empfänger erhielt. Aber ab heute wird das alles anders. Jetzt halten jeden Tag die Postkutschen auf dem Marktplatz. Verstehst du nun, daß wir uns freuen? Aber horch! Ich glaube, sie kommt schon!"
Tatsächlich, vor der Stadt hört man den Postillon ein lustiges Lied blasen. Die Bochumer brechen in Freudenrufe aus. Sogar die beiden Glocken der Probsteikirche läuten.
Und da rasselt sie auch schon um die Ecke, eine blumenbekränzte Postkutsche. Der Postillon hoch auf dem Bock in seiner bunten Uniform hält an und bläst noch einmal. Nun geht der Bürgermeister auf ihn zu und reicht ihm einen Trunk Wein aus einer silbernen Kanne und hält eine Begrüßungsrede. Die Bürger klatschen und rufen: "Bravo! Bravo!" Schließlich spielt die Feuerwehrskapelle der Postkutsche zu Ehren.
Später (1844) schlug der Postmeister an der Haltestelle einen Fahrplan an:
| Personenpost | Haltern - Elberfeld | tägl. 13/4 früh |
| Personenpost | Dortmund - Düsseldorf | tägl. 9.05 früh |
| Personenpost | Ruhrort - Hagen | tägl. 103/4 früh |
| Personenpost | Düsseldorf - Münster | tägl. 2 mittags |
| Personenpost | Münster - Düsseldorf | tägl. 21/2 mittags |
| Personenpost | Hagen - Ruhrort | tägl. 3.05 nachm. |
| Personenpost | Düsseldorf - Dortmund | tägl. 61/2 abends |
| Personenpost | Elberfeld - Haltern | tägl. 10.40 abends |
Botenpost nach Wattenscheid Mittwoch und Samstag 4 Uhr nachmittags. Die Fahrt nach Essen dauerte etwa 21/2 Stunden und die nach Hagen 4 Stunden.

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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