Die erste Eisenbahn in Bochum
Die erste Eisenbahn in Bochum
Man schreibt den 22. November 1860.
Beim Gastwirt Hoppe herrscht Hochbetrieb: im Gesellschaftszimmer gibt der Bürgermeister ein Festessen. Die Ratsherren und viele Bürger sind eingeladen, ein freudiges Ereignis zu feiern. Die meisten Gäste sind schon eingetroffen, die Damen in langen Kleidern, die Herren in schwarzen Anzügen mit enger Hose und Zylinder. Ein Gewirr von Stimmen erfüllt den Raum. Die Gäste nehmen Platz. Da erhebt sich Bürgermeister Greve. Er klopft an sein Glas, zupft den Rock zurecht, und als die Anwesenden sich beruhigt haben, hält er eine Rede:
"Meine sehr verehrten Gäste!
Endlich ist die große Stunde gekommen, da die erste Eisenbahn durch Bochum gefahren ist. Heute morgen haben wir den blumenbekränzten Zug mit freudigem Jubel in unserem Bahnhof empfangen. Schon vor 30 Jahren hatte Friedrich Harkort den Plan, eine Bahnlinie durch das Ruhrgebiet zu bauen. Als man endlich an die Arbeit ging, wurden die Schienen an Bochum vorbei durch Herne gelegt, obwohl wir Baugelder geben wollten. Es ging mir immer ein Stich durchs Herz, wenn ich in Herne das Schild "Bahnhof Bochum - Herne" las. Wir mußten die Pferdebahn einführen, um Personen und Güter zur Bahn nach Herne zu bringen.
Nun aber wollen wir uns freuen, daß dieser Umstand ein Ende hat. Wir dürfen stolz sein auf unseren eigenen Bahnhof. Zwar ist erst die Strecke von Witten nach Duisburg fertig, doch bald werden wir vom Bahnhof Bochum nach Essen, Dortmund, Köln und Münster fahren können.
Und nun bitte ich Euch, meine lieben Gäste, mit mir auf unsere Eisenbahn anzustoßen."

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
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