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Der große Brand von 1517

Der große Brand von 1517

"Feurio! Feurio! Feurio!"

Gellend zerreißt der Ruf des Türmers von der Probsteikirche dei stille Nacht zum 26. April 1517. Entsetzt fahren die Bochumer Bürger aus den Betten und rennen auf die Straßen. Aufgeregte Stimmen schreien durcheinander: "Es brennt! Es brennt!"

"Wo denn?"

"Am Wölenbrink! Am Becktor!"

Schaurig bimmelt die Feuerglocke. Am Himmel steht ein heller Schein, und dichten Rauch treibt der Wind über die Stadt. Kinder schreien vor Angst, alte Leute jammern, die Tiere brüllen angstvoll in den Ställen und zerren wild an ihren Ketten. Frauen laufen weinend hin und her. Männer eilen im Sturmschritt vorüber zum Rathaus, um lederne Eimer und Löschgeräte zu holen. Die ganze Stadt ist in wildem Aufruhr. Noch weiß niemand, wo es wirklich brennt. Nur der Feuerschein wird größer und heller, und der Qualm beißt in den Augen und legt sich erstickend auf die Brust. Eine, zwei, drei Gassen stehen schon in Flammen. Funken hüpfen von Dach zu Dach, gierig frißt das Feuer das Stroh, und der Wind treibt die Glut von Straße zu Straße. Schon hasten einige Leuten den Stadttoren zu. Bald werden ihrer immer mehr, die, mit Bündeln bepackt, kleine Kinder an der Hand, um Hilfe rufend aus der Stadt flüchten. Pferde und Kühe haben sich losgerissen und bahnen sich zwischen den Fliehenden hindurch einen Weg ins Freie. Eine furchtbare Angst hat die ganze Stadt erfaßt. Aber da ist keine Hilfe mehr. Es rettet sich, wer kann. Die Bürger rennen um ihr nacktes Leben, über ihnen braust der Funkensturm, und neben ihnen schlagen die Flammen aus den zersprungenen Fenstern und lecken nach dem Dachstroh hinauf. Viele können sich vor die Stadttore in Sicherheit bringen, aber nicht alle.

Da stehen sie nun, notdürftig bekleidet, manche mit schweren Brandwunden und angesengten Haaren. Sie suchen nach ihren Kindern, Geschwistern und Eltern und sind bettelarm. Sie schauen mit Tränen in den Augen in die Glut.

Wie konnte das Unglück so plötzlich geschehen?

Spät abends war Johannes Schrivers von Blankenstein heimgekommen. Da muß er wohl in seinem Haus unvorsichtig mit dem Feuer umgegangen sein. Schon schlug die Flamme aus dem strohgedeckten Dach,als der Türmer "Feurio" rief. Und da die Fachwerkhäuser so dicht beieinander gebaut waren, trieb der Wind das Feuer von Haus zu Haus.

Am anderen Morgen lag ganz Bochum in Schutt und Asche. Nur der rauchgeschwärzte Turm der Propsteikirche blickte traurig über das Trümmerfeld hinweg.

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/
 

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