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Bochum zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Bochum zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

an der Straße nach Witten, kurz vor der Stadt, hocken in einem dichten Gebüsch gut versteckt zwei Männer.

"Jetzt lauern wir hier schon drei Tage und Nächte. Dabei müßte ich unbedingt den Weizen schneiden."

"Gedulde dich nur, du wirst dein Korn doch nicht behalten können!"

"Das sind aber auch schreckliche Zeiten! Nun schreiben wir 1643.  - 25 Jahre lang wütet schon der Krieg. Sollen wir denn gar nicht mehr friedlich leben können? Spanier, Schweden, Holländer, Italiener, Dänen, Deutsche, allerlei Völker ziehen in unserer Grafschaft hin und her, schlagen sich, zertrampeln die Felder, stehlen das Vieh von der Weide, plündern die Häuser und nehmen mit, was niicht niet- und nagelfest ist. Und wenn man nicht freiwillig gibt, zünden sie einem das Dach über dem Kopfe an. Wer weiß, wie viele Bürger sie schon gefangen weggeführt haben oder wie viele grausam umgebracht worden sind! Der Herrgott könnte doch ein Einsehen mit uns haben!"

Bei diesen Worten beugt er sich weit vor und schaut die Straße entlang.

"Du, Hinnerk, da wälzt sich eine große Staubwolke heran."

"Tatsächlich! Sie kommen! Hoffentlich sind’s nicht zu viele. Was werden die zu Hause wieder jammern, wenn wir ihnen diese Nachricht bringen!"

Schnell verbergen sich die beiden Kundschafter im Gebüsch und lauern. Bald hören sie Schritte. Vorsichtig lugen vier wachsame Augen zwischen den Blättern hindurch. Auf der Straße ziehen Soldaten vorbei in bunten Uniformen mit Schwertern und Spießen und langen Gewehren. Einige vollbepackte Wagen führen sie mit sich, sogar ein paar Frauen und Kinder sind dabei.

"Du, Hinnerk"; flüstert der eine der beiden Kundschafter, als die Truppe vorbeimarschiert ist, "das waren mindestens 500 Mann."

"Jetzt aber schnell zurück!"

Rasch kriechen die beiden aus ihrem Versteck hervor, springen auf ihre Pferde, die sie tief im Walde angebunden hatten, und reiten auf einem Umweg, so schnell die Tiere laufen können, nach Bochum zurück.

500 Mann, das ist eine traurige Botschaft für die Bochumer. Gegen so viele Soldaten mit Gewehren kann man sich nicht verteidigen, die Stadt ist ihnen auf Gnade und Barmherzigkeit ausgeliefert. Die Tore brauchen gar nicht geschlossen werden, die Feinde würden die Stadt doch erobern.

Gegen Abend marschieren die Soldaten in Bochum ein. Jedes Haus muß fünf oder sechs Mann aufnehmen, sie verpflegen und beherbergern. Doch die Landsknechte sind damit nicht zufrieden. Sie brechen die Keller auf und zapfen das Bier; sie plündern die Räucherkammern und stehlen die letzten Würste; sie fangen das Federvieh und braten es. Im Rathaus schlagen sie die Wände ein. Sie nehmen sich Holz zum Wärmen für die Nacht und verlangen Heu und Hafer für die Pferde und Stroh in die Ställe. Sie stehlen das Schloß des Bongardtores und zerschlagen das Becktor. Sie fallen über Kästen und Truhen her und schleppen weg, was sie gebrauchen können. Sie plündern und brennen in der Umgebung, und als sie weiterziehen, fordern sie noch viel Geld von der Stadt.

So geschah es viele Male im Laufe des langen Krieges. Die Bürger lebten in ständiger Angst, bei Tage, ob die Kundschafter heranrückende Feinde meldeten, bei Nacht, ob nicht eiserne Fäuste an die Tore hämmerten. Die Bauern wagten kaum noch, die Äcker vor der Stadt zu bestellen, aus Furcht, umherstreifende Soldaten würden ihnen die Pferde nehmen.

Nach 30 schrecklichen Jahren wurde schließlich der Friede geschlossen. Von allen Kirchen läuteten die Glocken, und auf den Bergen rund um Bochum flammten Freudenfeuer zum Himmel.

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/
 

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