Bochum wird eine Stadt
Bochum wird eine Stadt
Am 8. Juni 1321 sind die Bochumer Ratsmänner in großer Aufregung. Graf Engelbert II. ist nämlich auf seiner Burg Blankenstein eingetroffen und hat den Rat von Bochum zu sich geladen.
"Was will er wohl von uns?" Diese Frage fliegt von einem zum anderen; der vermutet dies, der meint das. Schließlich mahnt der Schultheiß zur Eile: "Wir dürfen den Grafen nicht so lange warten lassen!"
Da machen sie sich auf den Weg. -
Blankenstein ist erreicht. Der Türmer auf dem mächtigen Burgfried hat die Ankommenden schon auf der anderen Ruhrseite bemerkt. Aufmerksam beobachtet er, wie sie sich nähern. Da erkennt er den Schultheißen und ruft den Torwächter an, die Bürger einzulassen. Sie überqueren den Burghof zum Wohnhaus hin. Erwartungsvoll steigen sie die Treppe zum Rittersaal empor. Der Burgvogt öffnet ihnen die große Flügeltür.
"Tretet nur ein", ermuntert er die Bochumer, "unser gnädigster Herr wird euch gleich empfangen."
Staunend bleiben die Bürger an der Schwelle stehen. Ihre Blicke treffen sich an der Stirnwand des Saales. Da steht auf einer Erhöhung der Sessel des Landesherrn. Drei Stufen, mit kostbarem Teppich belegt, führen hinauf.
Jetzt öffnet sich auch schon eine Nebentür. Ein Ritter, von Kopf bis Fuß in eine funkelnde Rüstung gehüllt, tritt ein. Auf seinem Brustpanzer leuchtet das Wappen der Grafen von der Mark.
Die Männer der Bochumer Bürgerschaft verbeugen sich ehrfürchtig vor ihrem Landesherrn. Graf Engelbert erwidert ihren Gruß und spricht:
"Ihr Bürger von Bochum! Ich habe euch auf den "Blanken Stein" gerufen, um euch ein sehr bedeutsames Schriftstück zu übergeben. Darin habe ich alle Rechte aufschreiben lassen, die ich meiner Gemeinde Bochum verliehen habe. Darüber hinaus dürft ihr in Zukunft eure Gemeinde selbst verwalten. Bochum soll fortan die Rechte einer Stadt haben.
Der Stadt Bochum gewähre ich noch zwei weitere Kram- und Viehmärkte mit Sicherheit für die Marktbesucher zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Markt. Den gesamten Marktverkehr stelle ich unter meinen besonderen Schutz. Wer gegen den Marktfrieden verstößt, dem soll zur Strafe eine Hand abgehauen werden. Und zum Zeichen dafür, daß Bochum nun eine Stadt ist, will ich in Bochum auch Geld prägen lassen."
Mit diesen Worten übergibt der Graf den Bochumern die wichtige Schriftrolle, an der drei große, rote Siegel hängen.

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
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