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Bochum im zweiten Weltkrieg

Bochum im zweiten Weltkrieg

Im Laufe der Zeit war Bochum eine Großstadt geworden und zählte über 300 000 Bewohner. Auf fast 40 Schachtanlagen schafften Bergleute die Kohle aus der Erde. Mit dem Koks schmolzen die Hüttenarbeiter in den Hochöfen das Eisen, die Stahlwerker wandelten es in um Stahl, und die Männer an den Walzstraße formten daraus Bleche, Schienen, T-Träger; in den Gießereien entstanden Achsen, Räder, Wellen, Maschinenteile.

Die einzelnen Stadtgebiete waren nach und nach durch Siedlungen und Wohnblocks zusammengewachsen. In kleineren Grünanlagen konnten die Bürger spazierengehen. Reger Verkehr herrschte in den Straßen, und in den Geschäften drängten sich die Käufer.

Da brach der zweite Weltkrieg aus. Die jungen Männer mußten Soldaten werden, und Frauen nahmen ihre Arbeitsplätze ein. In der Stadt wurde es merklich ruhiger. Es fuhren nur noch wenige Autos; Lebensmittel gab es fortan auf Marken; ein paar Schuhe mußte für mehrere Jahre reichen. Die Straßenbeleuchtung erlosch, die Fenster wurden verdunkelt, damit kein Lichtstrahl nach außen drang. Die Hausbewohner mußten die Trockenböden entrumpeln und Wannen mit Wasser und Kisten mit Sand aufstellen. Die Keller wurden abgestützt, Durchgänge zu den Nachbarhäusern gebrochen und Notausstiege angelegt. Auf den freien Plätzen entstanden Betonbunker, und unter der Erde führten tiefe Stollen, in die sich die Menschen retten sollten, wenn Bochum angegriffen würde. In den Außenbezirken der Stadt gruben Flak-Soldaten Stellungen für ihre Kanonen und Scheinwerfer.

Aber so tapfer die Soldaten auch kämpften und so sehr sich auch die Bürger einsetzten, immer häufiger und in immer größerer Zahl flogen die Gegner die deutschen Städte an und warfen Spreng- und Brandbomben ab.

Und immer häufiger heulten auch in Bochum die Alarmsirenen. Die Menschen hasteten mit dem Notwendigsten in die Keller, Bunker und Stollen und bangten um ihr Leben; manche gingen nur nach Hause, um sich etwas zum Essen zu bereiten. In einer Nacht sank im Süden ein Stadtteil in Trümmer, in einer anderen war ein Gebiet im Norden das Ziel der Flugzeuge. Am schwersten aber wurde Bochum am 4. November 1944 getroffen. Tausende von Bomben regneten auf die Innenstadt nieder und legten sie in Schutt und Asche. Das war wohl der traurigste Tag in der Geschichte unserer Stadt.

Auf dem Hauptfriedhof am Freigrafendamm steht ein Denkmal, das soll uns erinnern an die 4 000 Menschen, die im Kriege ihr Leben in der Heimat verloren, und an die 7 000 Bochumer Männer, die an der Front gefallen sind.

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/

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