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Wie das Dorf Bochum entstand

Wie das Dorf Bochum entstand

Der Kaufmann Emilius ist schon lange tot, und die römischen Soldaten haben vor vielen Jahren unser Land verlassen. Aber die beiden großen Straßen sind noch da, und auch das Gasthaus steht noch an der Kreuzung. Doch hat es einen vornehmen Nachbarn bekommen. Das ist der Graf Cobbo. Ihm gehört das ganze Land ringsum. Er hat es von seinem Vater geerbt. Dem schenkte es der Kaiser Karl, weil er ihm geholfen hatte, die verschiedenen deutschen Stämme zu einigen.

Eines schönen Sommerabends sitzt Graf Cobbo und der Gasthofbauer auf der Bank vor dem Hause.

"Hoffentlich hält sich das Wetter noch diese Woche, damit wir den Roggen einfahren können", meint der Gasthofbauer und schaut prüfend zum Himmel hinauf.

"Ich denke doch", entgegnet Cobbo, "die Schwalben fliegen hoch, und die Mücken tanzen so lustig."

"Es wäre auch zu schade um die Ernte; in diesem Jahr ist sie besonders gut geraten."

"Das liegt an dem fruchtbaren Lehmboden, den wir in unserer Heimat haben."

"Ja, wir wohnen in einer guten Gegend: das wertvolle Ackerland gibt reiche Ernten, die klaren Bäche bewässern unsere Wiesen, daß saftiges Gras wächst, und in den Buchen- und Eichenwäldern lebt noch allerlei Wild."

"Eigentlich könnten hier noch mehr Bauern wirtschaften; denn weite Flächen sind noch unbebaut."

"Sicher, Herr Graf, Ihr könntet noch viel Land abgeben!"

"Das werde ich auch tun! - Gute Nacht, Gasthofbauer!"

Graf Cobbo geht seinem Haus zu. Er hat einen großen Hof, fast ein Schloß. "Reichshof" wird er in der Umgebung genannt; denn wenn der Kaiser des Deutschen Reiches durch Westfalen kommt, oder wenn der Bischof von Köln die Kirchen besichtigt und die hl. Taufe spendet, dann wohnen sie im Reichshof beim Grafen Cobbo.

Später rief der Graf Bauern ins Land. Sie rodeten die Wälder, machten den Boden urbar, jeder so viel, wie er brauchte. Die gefällten Bäume benutzten sie zum Hausbau. So entstanden der Vidumshof, der Hof von Hermann up dem Steinweg, der Bongard-, der Hellweg- und der Brunsteinhof. Jedes Jahr im Herbst, wenn die Ernte eingebracht war, zahlten sie dem Grafen die Steuern: Korn, Stroh und Heu und Schinken, Würste, Speck und Eier. Auch Flachs wurde abgeliefert, daraus webte man die Kleider und Anzüge. Ihrer Siedlung gaben die Bauern den Namen "Bokhem", d. h. " Heim der Buchen". Daraus wurde später der Name "Bochum".

 

© Herrmann Rupprecht - Geschichten aus Bochums Vergangenheit
Stockmann Buchverlag Bochum
www.stockmann-shop.de/

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